Design Thinking im UX Design – Methoden zur Lösungsfindung

Eine wertvolle Unterstützung auf diesem Weg bietet das sogenannte Double-Diamond-Modell. In vier Phasen hilft es, die Bedürfnisse der Nutzenden gezielt zu verstehen und im Projektverlauf zu berücksichtigen. Zum Auftakt unserer Themenreihe über User Experience Design haben wir dieses Modell bereits erklärt und veranschaulicht, wie die Zielgruppe anhand der Discover-Phase explorativ untersucht werden kann. Im zweiten Teil haben wir anhand der Define-Phase die Pains und Gains der Zielgruppe herausgearbeitet und veranschaulicht. In diesem dritten Teil zeigen wir praxisnah, wie Sie Ideen und Lösungen für das Problem Ihrer Zielgruppe generieren.

Zwei Diamanten gehen ineinander über und verbinden die Phasen Entdecken, Definieren, Entwickeln und Liefern

Double Diamond Modell – Develop-Phase: Entwickeln von Lösungsansätzen

Mit der Ausgangslage einer klar definierten Problemstellung geht es in der „Develop-Phase“ des Double-Diamond-Modells an die Entwicklung von Lösungsansätzen. In diesem Schritt wird der Ideenraum mit dem Leitsatz ‘Quantität vor Qualität’ geöffnet. Mithilfe von kreativen Methoden zum Beispiel im Rahmen von Workshops sollen möglichst viele Lösungsideen für das konkrete Problem generiert werden. „Hierbei ist es wichtig, sich kreativen Freiraum zu geben und auch Ideen auszusprechen, die übertrieben und unmöglich erscheinen – denn jede scheinbar unmögliche Idee kann inspirierend wirken und zu anderen Ansätzen führen“, erklärt Senior UX-Designerin Elena Morawin bei MUUUH! Next!.

UX-Design Workshop mit der Diakonie Osnabrück

Die Methoden der Develop-Phase sind sehr vielfältig. Im Folgenden stellen wir drei Methoden vor, die wir in einem Workshop mit der Diakonie Osnabrück angewandt haben.

Design Thinking Methode #1: How-Might-We-Frage

„Um eine solide Basis für den Workshop zu bilden, haben wir mit der sogenannten ‘How Might We’ oder ‘Wie können wir'-Methode gearbeitet. Im Designprozess wird die Methode eingesetzt, um Probleme und Herausforderungen in inspirierende Fragen umzuformulieren. Die dabei immer gleichen einleitenden Worte ‘Wie können wir …’ bilden eine ideale Grundlage, um die Frage so positiv, offen und lösungsorientiert wie möglich zu formulieren“, erklärt Morawin, die den Workshop leitet.

Für die Diakonie Osnabrück wurde die Frage „Wie könnte ein niedrigschwelliges Angebot aussehen, das Hilfesuchende und Hilfeleistende zusammenbringt?“ definiert. Die wichtigste der How-Might-We-Frage dient als „Arbeitsaufgabe“ für den Workshop.

Ein Whiteboard mit der Devil Frage und vielen Post-it, als Lösungsvorschläge, die verpixelt sind

Design Thinking Methode #2: Devils und Angels Brainstorming

Das klassische Brainstorming kennen wir alle – richtig angewandt bringt uns die Methode der Ideen- und Innovationsentwicklung einen Schritt näher. „Hier haben wir eine spezielle Form des Brainstormings, das ‘Devils and Angels Brainstorming', angewandt. Bei dieser Methode wird der Ideenaustausch in zwei Phasen eingeteilt. In der ersten Phase dreht man die eigentliche Fragestellung um. Wir suchen also Ideen ‘wie ein komplexes Angebot aussehen könnte, das Hilfesuchende und Hilfeleistende abschreckt’“, erklärt Morawin die Design Thinking Methode.

In der nächsten Runde wurde die eingangs positiv formulierte How-Might-We-Frage „Wie könnte ein niedrigschwelliges Angebot aussehen, das Hilfesuchende und Hilfeleistende zusammenbringt?“ in der ‘Angels’ Runde beantwortet. „Einerseits können die Ideen aus der ersten Runde einfach umgekehrt werden, andererseits fällt es leichter über Grenzen hinaus zu denken und es entstehen häufig zahlreiche neue Ideen“, fasst die UX-Designerin die Vorteile der Methode zusammen.

Design Thinking Methode #3: Ideenturm

Um nun die Masse an Grundideen weiterzuentwickeln, die beim Devils und Angels Brainstorming entstehen, kommt der Ideenturm zum Einsatz. Das heißt, dass alle Teilnehmenden im Diakonie-Workshop ein vorgefertigtes Template erhielten und eine fremde Idee aus der Brainstorm-Session aussuchten, die als Startidee fungierte. Dann hat jede Person für sich auf dem eigenen Template weitere Elemente und Ideen zur Startidee hinzugefügt.

„Wie beim klassischen Brainstorming ist alles erlaubt. Wir können eine ganz neue und andere Idee, eine weiterentwickelte Version oder eine Alternative zur Startidee hinzufügen. Es kann außerdem hilfreich sein, die Idee in Form von Zeichnungen, Stickern oder ähnlichem zu visualisieren“, erklärt Morawin. Anschließend wird das Template im Uhrzeigersinn an die nächste Person gereicht und wieder ergänzt. Nachdem das Template mit der Startidee und den Ergänzungen wieder am Start angekommen ist, werden alle Ideentürme in die Mitte gelegt und vorgestellt.

Ideenbewertung – so erkennen Sie die besten Ideen

„In der Develop-Phase entstehen häufig so viele Ideen, dass wir gar nicht wissen, mit welcher wir jetzt weitermachen sollen. Wie wählen wir die besten Ideen aus? Das geht am einfachsten, indem die Ideen in Form eines Prototyps weiter konkretisiert und anschließend in eine Bewertungsmatrix sortiert werden. Die besten Ideen werden dann in Phase Vier des Double-Diamond-Modells vertieft“, fasst die UX-Designerin den letzten Schritt des Workshops zusammen.

Design Thinking-Regeln nach dem Hasso-Plattner-Institut

Es gibt zahlreiche Methoden, um Lösungsideen zu sammeln, die je nach Bedürfnissen angepasst werden können. Eins haben sie alle gemeinsam – sie folgen den Design Thinking-Regeln nach dem Hasso-Plattner-Institut.

Verrückte Ideen erwünscht

Seien Sie experimentell, denken Sie über den Tellerrand hinaus und lassen Sie auch verrückte Ideen zu – alles ist möglich!

Auf den Ideen anderer aufbauen

Es gibt im Workshop kein Urheberrecht. Es ist erwünscht Ideen von anderen aufzugreifen, zu ergänzen oder zu ändern.

Nutzerzentriertes Denken

Design Thinking ist zunächst das Denken über die Probleme und Herausforderungen Ihrer Kund:innen und nicht über Sach- oder Business-Ziele.

Konstruktive Kritik

Zu den fundamentalen Regeln im Design Thinking gehört es, Kritik zurückzustellen und in konstruktive Anregungen umzuwandeln. Kein „Nein, das geht nicht!“, kein „Ja, aber…“ oder „Das ist doch nicht realisierbar.“ Zunächst werden alle Ideen gesammelt, bewertet wird im Anschluss.

Visualisieren

Während des gesamten Prozesses sollte das Team versuchen, so viel wie möglich mit Visualisierungen zu arbeiten. Das Visualisieren hilft die Kreativität anzuregen, fördert neue Ideen, hilft einigen Beteiligten sich besser auszudrücken und macht Spaß.

Früh und oft scheitern

Die Angst, Fehler zu machen, kann den gesamten Prozess beeinträchtigen und sogar zum Scheitern bringen. Es ist erlaubt und sogar erwünscht, Fehler zu machen, um anschließend und möglichst frühzeitig daraus zu lernen.

Bleib fokussiert & Time Boxing

Obwohl der Fantasie freien Lauf gelassen werden soll, ist es sinnvoll klare Grenzen zu setzen. Lieber kurze Arbeitsphasen mit klarer Zeitbegrenzung und dafür häufigere Phasenwechsel als ein Workshop, der kein Ende nimmt!

Fazit der Develop-Phase: die besten Design Thinking Methoden zur Lösungsfindung

In der dritten Phase des UX-Designprozesses nach dem Double-Diamond-Modell geht es darum, möglichst viele Ideen zu sammeln, aus denen im nächsten Schritt potenzielle Lösungen entstehen. Dabei hilft vor allem interdisziplinäre Zusammenarbeit, denn gemeinsam haben wir viel mehr Wissen und unterschiedliche Sichtweisen auf das zu lösende Problem. Wie aus den Ideen echte Lösungen werden, verraten wir in Teil vier unserer User Experience Content Reihe.

Wir unterstützen Sie bei kreativen UX- und Design Thinking Lösungen!

Sie wollen neue Produkte für ihre Zielgruppe entwickeln oder neue Kundensegmente erschließen und kommen nicht weiter? Gemeinsam möchten wir mit Ihnen innovative und kreative Ideen entwickeln, tieferlegen und ausarbeiten – und natürlich auch in die Realität umsetzen. Wir freuen uns darauf.