Wenn das MVP an der Rampe steht… und nichts passiert

Digital Lab Ergebnis meets Kernorganisation
MUUUH! GROUP — 16.03.2018

Thema: Insider

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Wie sagte der ehemalige Profi-Rennfahrer Mario Andretti so schön? „If everything seems under control you're not going fast enough.“ Deutsche Konzerne und große Mittelständler nehmen sich das im Kontext der Digitalisierung immer mehr zu Herzen und gründen Digital Labs, Innovation Labs und Co. Doch das Lab allein macht nicht glücklich. Häufig wird die Antriebskraft der Innovation durch interne Prozesse und fehlende Freigaben und Ressourcen ausgebremst.

In den Digital Labs entstehen innovative Minimum Viable Products; kurz MVP. Es handelt sich dabei um erste Ausführungen der ganzheitlichen langfristigen Produktvision. Umgesetzt wird beim MVP nur ein sehr begrenzter Funktionsumfang. Der Fokus liegt auf jener Eigenschaft des Produkts – dafür steht das „minimum“ – die dem Nutzer potenziell den größten Mehrwert stiftet. Im Gegensatz zu einem, bis ins letzte Detail ausgearbeiteten, Produkt hat das MVP den entscheidenden Vorteil, einer erheblich reduzierten Entwicklungszeit. Die Time-To-Market wird reduziert, um schnell ein Feedback über das MVP aus dem Markt zu erhalten und damit eine Validierung durch den Kunden vorzunehmen.

 

Validierung des MVPs

Ein MVP ist kein Prototyp, den man mit Fokusgruppen, Interviews oder Ghosting validiert. Ein MVP ist der Schritt nach dem Prototyp. Es geht um die Validierung eines funktionierenden ersten Produkts, für das der Kunde (nicht unbedingt monetär) zahlen muss. Der große Vorteil dieser Vorgehensweise ist die hohe Aussagekraft der Validierung. Eine große Herausforderung liegt indes in der Komplexität der Validierung im Markt, die nichts anderes ist als ein Betrieb, wir sprechen gerne von Operations, im Markt.

 

Probleme an der Schnittstelle

Ein Digital Lab ist in der Regel eine Sub-Organisation innerhalb einer großen Organisation, in der mit neuen Fähigkeiten, Methoden und Tools gearbeitet wird. Im Digital Lab sind viele Dinge möglich, die in der Mutterorganisation unmöglich sind; nur so wird der erhebliche Geschwindigkeitsvorteil bei der Entwicklung des MVPs erzielt. Ist die erste Entwicklungsphase jedoch abgeschlossen, muss das Digital Lab den Betrieb im Markt mit der Mutterorganisation organisieren, weil „Betrieb“ in der Regel unzählige Unternehmensbereiche betrifft. Viel zu häufig gerät das MVP an genau dieser Stelle, dem Übergabepunkt aus der Entwicklungsumgebung des Labs in den Betrieb, unter die Räder des Tagesgeschäfts der Organisationen, wo es nicht selten auch verendet. Das MVP steht an der Rampe… und nichts passiert.

 

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Company Building und Fastlane

Um das zu verhindern wird immer häufiger zum sogenannten Company Building gegriffen, bei dem für den Betrieb eines MVP eine neue Gesellschaft gegründet wird. Alternativ schaffen Geschäftsführer oder Vorstände eine Fastlane; eine beschützte Extrawurst um ein MVP in der Kernorganisation mit erheblichen Abweichungen zu den Regelprozessen zu betreiben. Beide Ansätze sind vielversprechend, bringen aber zum Teil erhebliche Schwierigkeiten mit sich und eignen sich längst nicht für jedes MVP. Gründet man eine neue Gesellschaft, für ein Produkt dessen Erfolg noch höchst fragwürdig ist? Ist eine Gesellschaftsgründung ein probates Mittel zur Validierung eines Produkts? Und die Fastlane, skalliert dieser Ansatz? Wie belastend wirken sich die Prozessabweichungen für das MVP auf andere Regelprodukte aus?

 

MVP-Operations-as-a-Service als Lösung

Um das Ergebnis der innovativen Produktentwicklung im Digital Lab vor dem Scheitern zu bewahren, haben wir mit MVP-Operations-as-a-Service einen ergänzenden Ansatz zu Company Building und Fastlane entwickelt. Unter dem Motto „Nichts ist trauriger als ein MVP, das noch keinen Kunden gesehen hat.“ nehmen wir MVPs nach der Entwicklungsphase ohne Geschwindigkeitsverlust in unsere Operations und validieren im Minimum Viable Market. Mit verantwortungsvollem Pragmatismus sorgen wir dafür, dass MVPs nicht an Speed verlieren und mitten in der heißen Phase stecken bleiben. Zum Einsatz kommen dabei Analytics die speziell für die Validierung und nicht für den Regelbetrieb entwickelt wurde.  

 

Sie möchten mehr über MVP-Operations-as-a-Service erfahren? Wir haben für Sie Beobachtungen, Erfahrungen, Gespräche und Literatur zu Grunde gelegt, um aufzuzeigen, wie MVPs den Übergang von der Entwicklung zur Operation erfolgreich bewältigen können. Unser kostenloses Whitepaper MVP Operations - Agiles Validieren im Betrieb finden Sie hier:

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Ben Ellermann

Ben Ellermann war bereits vor dem Facebook Hype für das Soziale Netzwerk stayblue.de in verschiedene Spezialisten- und Führungsrollen der Bereiche Marketing, Redaktion und Community Management tätig. Der extreme Nutzerfokus in der Weiterentwicklung und dem Betrieb des Netzwerks hat Ben nachhaltig geprägt und ist ihm in Mark und Bein übergegangen. Seine Kollegen, Kunden und Partner kennen von ihm Sätze wie „Und das möchte der Kunde in der Situation wirklich?“, „Beschreib mir das bitte nochmal aus Nutzersicht!“ und „Plausible Annahme! Lass uns das mit Nutzern verproben!“. Beim Kundenmanagement Dienstleister buw hat Ben nach seiner Zeit bei stayblue intensiv am Aufbau und der Ausgründung der Digitaltochter mitgewirkt, die er als stellvertretender Leiter mit verantwortete. Vor seinem Wechsel zu MUUUH! leitete Ben bei der IT des Talanx Versicherungskonzerns die Digitalisierung und baute das Digital Lab auf. Ben bringt 10 Jahre Berufserfahrung als Digital Manager mit und ist als Speaker, Dozent und Panelist in der deutschen Digitalszene aktiv.