SEO für Videos

Wie Sie die Sichtbarkeit eigener Clips und Kanäle mittels Video-SEO optimieren

Old video cassettes

Den Erfolg und die Sichtbarkeit eines Online-Videos beeinflussen verschiedene Faktoren. Einige davon kann der Kanalbetreiber oder Content-Produzent beeinflussen, andere wiederum nicht, wie etwa den Zeitfaktor. Videos, die älter als ein Jahr sind, ranken tendenziell besser als brandneue Clips – hier spielt alleine die Zeit den Filmemachern in die Karten. Frisch hochgeladene Videos bevorzugt der Youtube-Algorithmus allerdings im Laufe der ersten beiden Wochen. Betreiber eines etablierten Kanals haben es ebenfalls leichter (siehe „Chanel Trust“ weiter unten). Eine aktiv kommentierende und likende Community von mehr als 1.000 Abonnenten beeinflusst das Ranking einzelner Clips ebenso positiv wie die Zahl der eingehenden Verlinkungen und Einbettungen.

SEO-Faktoren für Online-Videos und Bewegtbild

Darüber hinaus spielen beim Film selbst und seiner Beschreibung zahlreiche inhaltliche und formale Kriterien eine Rolle. Mit welchen konkreten Maßnahmen können Content-Owner die Popularität ihrer bewegten Bilder aktiv fördern? Die SEO-Spezialisten von MUUUH! gewähren nachstehend Einblicke in ihre Arbeit und haben eine Liste ihrer wärmsten Empfehlungen zusammengestellt.

 

 1. Faustregel zur Videolänge: 4-16 Minuten
 

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit liegen Welten. Einerseits mögen User gerne kompakte Clips und konzentrieren sich oft nur auf die ersten Sekunden eines Films. Andererseits möchten die meisten Sponsoren von Corporate Videos häufig möglichst viele Inhalte in einem Content-Stück unterbringen. Das führt meist zu künstlich aufgeblähten Werken, die am Userinteresse vorbeizielen. Das wiederum beeinträchtigt die so genannte „Watch Time“, den wichtigsten Rankingfaktor auf Youtube. Er berechnet sich aus der Anzahl der Aufrufe, der konsumierten Videozeit, der Menge an Youtube--Sitzungen, die mit dem vorliegenden Video beendet werden und etlichen anderen Faktoren.

In absoluten Zahlen lässt sich festhalten: Youtube bevorzugt längere Videos als die User selbst. Während der Algorithmus 10 bis 16 Minuten lange Filme mag, erhalten Clips mit vier und sechs Minuten Länge tendenziell mehr Views. Alles darunter könnte wortwörtlich zu kurz kommen.

 

2. Das Intro – 15 Sekunden entscheiden

Innerhalb der ersten 15 Sekunden entscheidet der User, ob er weiterschaut oder die Session abbricht. Der Content-Produzent kann mit verschiedenen Tricks versuchen, das Interesse des Betrachters aufrecht zu halten. So ist es wirksam, dem Konsumenten gegenüber einleitend zu bestätigen, dass der vorliegende Clip wirklich das angekündigte Thema behandelt. Außerdem sollte in den ersten Sekunden die eigene Expertise zum Thema belegt und der Inhalt des Clips zusammengefasst werden.

 

3. Relevante Keywords recherchieren

Neben dem Filminhalt sollten auch die verwendeten Keywords im Videotitel und in der Beschreibung die User-Interessen treffen. Die Suche nach den erfolgversprechendsten Phrasen ist harte Handarbeit. Erste Anhaltspunkte liefert die Suchvorschlagsfunktion der Videoplattform; analog zur Suggest-Option auf Google unterbreitet auch Youtube dem Suchenden verschiedene verwandte, alternative Suchbegriffe. Auch ein Blick nach rechts und links auf die Kanäle der Marktbegleiter lohnt sich. Dort lassen sich die Videos nach ihrer Beliebtheit sortieren und ihre angezeigten Titel und Beschreibungen in Augenschein nehmen. Mit Tools wie Keywordtool, Kparser oder soovle lässt sich die Suche nach passenden Youtube-Keywords präzisieren.

 

4. Bild und Ton einwandfrei

Noch relevanter als eine maximale ultra-HD-Auflösung ist die ästhetische Bildanmutung. Eine professionelle Kamera ist nicht zwingend erforderlich, schon mit fast jedem aktuellen Smartphone-Modell lassen sich technisch und qualitativ überzeugende Videos drehen.  Der Ästhetik lässt sich mit verhältnismäßig einfachen Mitteln nachhelfen. Ruhigere Kameraschwenks gelingen Laien und Profis mit einem stabilisierenden Gimbal; Standbilder aus fast jeder Perspektive ermöglicht ein Dreibein-Stativ. Wichtig ist zudem eine gute Ausleuchtung des Bildes oder des zu filmenden Objektes. Professionelle Lichtquellen aus dem Fotografenzubehör sind zu diesem Zweck die richtige Wahl. Nicht zuletzt sollte die firmeneigene Regie auf den guten Ton achten und statt interner Gerätemikrofone externe Profi-Produkte verwenden.

 

5. Das Vorschaubild

Youtube bevorzugt Videos, die eine hohe Click-Through-Rate (CTR) aufweisen. Die Kennzahl beschreibt, wie oft das Vorschaubild anzeigt und nachfolgend angeklickt wird. Das dargestellte Mini-Standbild des Videos („Thumbnail“) ist an dieser Stelle ausschlaggebend. Es empfehlen sich Farben jenseits des schwarz-weiß-roten Corporate Designs von Youtube. Zusätzlich können Kanalbetreiber den Vorder- und Hintergrund des Bildes farblich oder mittels Helligkeit kontrastieren. Sie können auch große Schrift auf dem Vorschaubild einsetzen, sollten aber nicht mehr als 30 Zeichen verwenden. Das Verhältnis von Text und Bild muss weitgehend harmonisch wirken.

 

6. Der Titel: 100 Zeichen sagen mehr als 1.000 Worte

Ein guter Titel kommt idealerweise mit weniger als 100 Zeichen aus, denn mehr zeigt Youtube in der Vorabansicht ohnehin nicht an. Traditionell sollte hier das wichtigste Keyword am Anfang der Zeile stehen – und im Einklang mit dem tatsächlichen Video-Inhalt. Unstimmigkeiten erkennt der Youtube-Algorithmus schnell und straft sie ab. Hubspot und Outbrain haben übrigens gemeinsam herausgefunden, dass Klammern in Titeln gut ankommen. Ganze 38 Prozent besser performen Videonamen mit eingeklammerten Erläuterungen. Und hier noch eine weitere Idee zum Titel: Enthält er das Jahr der Veröffentlichung, signalisiert das dem User Aktualität.

An dieser Stelle sei auch auf die Bedeutung des Dateinamens verwiesen. Die Bezeichnung kann die zentralen Elemente des Titels aufgreifen, denn auch sie signalisiert Youtube, worum es im Clip geht.

 

7. Video-Description

Je nach Wortlänge sind nur die ersten 100 bis 120 Zeichen der Videobeschreibung in den Suchergebnissen sichtbar. Hier sollte bereits das wichtigste Keyword auftauchen. Um weitere Informationen einzusehen, muss der User auf „Mehr anzeigen“ klicken. Hier kann der Verfasser seine Gedanken auf satten 5.000 Zeichen fließen lassen – wenn es denn so viel zu sagen gibt. Künstlich in die Länge gezogene Beschreibungen mit unnatürlich hoher Keyword- und Nebenkeyword-Dichte nerven den User. Es gilt hier wie überall im SEO-Geschäft, die Balance zwischen Auffindbarkeit und Lesbarkeit zu finden. Schließlich wird der Text zwar von Suchmaschinen gecrawlt, aber von Menschen gelesen. Noch vor kurzem galt die Faustregel, gut funktionierender Content müsse rund 330 Wörter bei einer Keyword-Dichte von drei bis vier Prozent umfassen. Dieses enge Korsett ist nicht mehr zeitgemäß. Wichtiger ist es eher, themenrelevante Begriffe einfließen zu lassen; Google – und somit auch Youtube – erkennt die Relevanz von Inhalten auch ohne explizite Formulierungen inzwischen erstaunlich gut.

Inhaltlich sollte sich der Verfasser bei aller Liebe zum konkreten Detail ein bisschen zurückhalten und gerade so viel preisgeben, dass das Video zwar gut beschrieben wird, aber immer noch angeschaut werden muss, will man alle Informationen erhalten.

Sprungmarken geben den Usern bei langen Videos Orientierung, sie verweisen aus der Beschreibung heraus direkt zu relevanten Passagen. Zwar kann dies die Watch Time reduzieren, aber es erleichtert das Handling. Zusätzlich bietet die Beschreibung einen passenden Rahmen, um andere eigene Videos zu verlinken. So lässt sich die Watch Time positiv beeinflussen.

 

8. Tags – Verschlagwortung mit Augenmaß

Youtube kann das Video anhand von Schlagworten, den Tags, klassifizieren. Tags bestehen aus einem bis drei Wörtern und wirken sich eher mittelbar über zusätzlich generierte Views auf das Ranking aus. Die ideale Tag-Anzahl liegt in einem weit gefassten Korridor irgendwo zwischen vier und vierzig Begrifflichkeiten. Autoren sollten sich bewusst sein, dass die Gefahr einer logischen Inkonsistenz innerhalb der Tag-Wolke mit jedem Tag zunimmt. Semantisch weit voneinander entfernte oder gar widersprüchliche Begriffe verwirren das Portal; es kann nicht mehr genau erkennen, wofür der Clip tatsächlich steht.

Einig sind sich die Analysten darüber, dass das wichtigste Keyword an erster Stelle stehen sollte. Das Hauptkeyword kann darüber hinaus in weiteren Tags mit zwei oder drei Phrasen umschrieben oder detailliert werden. Als zusätzliche Tags eignen sich so genannte LSI-Keywords. LSI steht für Latent Semantic Indexing. Mit derartigen Begriffen sollen Suchanfragen adressiert werden, die eine semantische Nähe zum wichtigsten Keyword zeigen. Weitere Tags können den größeren inhaltlichen Kontext des Clips abbilden.

 

9. SEO studieren oder transkribieren?

Untertitel machen Clips für Menschen mit Behinderungen barrierefrei und sorgen für verständlichen Videogenuss auch bei ausgeschaltetem Ton. Doch auch Suchmaschinen interessieren sich für den Subtext. Vollautomatisch generiert Youtube bereits heute überraschend gute Untertitel. Die verbleibende qualitative Unschärfe erfordert derzeit allerdings noch eine manuelle Nachbearbeitung.

 

10. Youtube-Engagement

Interaktion ist das neue Maß der Dinge in der Video-Rankingwelt von Youtube. Je mehr User einen Clip liken, kommentieren oder gar teilen, desto höher steigt er auch in der Gunst des Youtube-Algorithmus. Daher empfiehlt sich eine direkte User-Ansprache im Clip mit der Aufforderung, den Film zu liken, den Kanal zu abonnieren oder einen Kommentar zu hinterlassen.

 

11. Views und Watch Time maximieren

In der Konkurrenz um konkrete Keywords helfen viele Klicks und eine hohe Verweildauer der Zuschauer auf dem jeweiligen Clip weiter. Klassische PR, Direktmarketing oder Social Media Marketing stellen nur einige der vielen Möglichkeiten dar, auch abseits von Youtube Besucher und Nutzer auf den eigenen Bewegtbild-Content zu leiten.

 

Der lange Atem - Kanaloptimierung

Zunächst einmal sollte der Betreiber auf eine vertrauenswürdige, treffende und aktuelle Kanalbeschreibung setzen, die auch auf weitere Profile im Netz verlinkt – etwa den firmeneigenen Instagram-Kanal, die Facebook-Fanpage, das Linkedin-Profil oder die klassische Webseite. Selbstverständlich sollte die Kanalbeschreibung zusätzlich mit relevanten Keywords und möglichen Suchanfragen spielen. Zum formalen Youtube-Glück gehört nicht zuletzt ein Header- und ein Avatarbild sowie ein Begrüßungsvideo welches Nicht-Abonnenten willkommen heißt und ihnen automatisch vorgespielt wird.

Neben der Arbeit am konkreten Video-Content belohnt Youtube auch einen nachhaltig und fortwährend gepflegten Kanal. Der zugehörige Rankingfaktor heißt „Channel Trust“. Er berücksichtigt unter anderem, wie häufig und regelmäßig der Kanalbetreiber Content hochlädt, wie engagiert die User in Interaktion mit dem Content treten, darüber hinaus die Zahl der Abonnenten und das Alter des Kanals.

 

Fazit

Wer einen langen Atem bewahrt, seinen Kanal sorgfältig pflegt und Inhalte nicht nur liebevoll produziert, sondern auch strategisch sauber positioniert, wird auf Youtube mit enormer Reichweite belohnt.

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